Unser Niederrhein          

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Foto vom 06.01.2003  - Blick auf Kervenheim von Osten
 

Teil I vom 30.12.2002

Warum?

 Ja,
  eine gute Zeit, ein Fazit zu ziehen. Da setze ich mich vor einigen Tagen hin und versuche zum Ausdruck zu bringen – auch mir selbst gegenüber – was mir die Niederrhein-Touren bedeuten. Aber: es geht nicht, es kommt nichts Verwertbares.

  Der wirklich innige Kontakt mit meinem Heimatraum ist dahin.  Haben Sie denn wochenlang im Haus gesessen?  Das könnten Sie sicherlich einwenden. Natürlich nicht. Daran erkennt man den Perspektivwechsel, den das Radfahren mit sich bringt. Also, es gibt nur eine Lösung: Jacke anziehen, Mütze auf, Fahrrad flott machen und ab in die momentan eher feucht-kalte Natur, ganz ohne Handschuhe. Die Kondition ist trotz Winterspeck und Weihnachtsessen noch nicht ganz perdu, das merkt man schnell...

  Die braunen Blätter der Bäume kleben feucht auf den Wegen, das starre Astwerk der Sträucher und Bäume reckt sich in die trübe Niederrheinlandschaft. Zwei Fischreiher stehen einsam auf der immer noch grünen Wiese. Ein paar verlorene Hagebutten hängen traurig im Geäst, die Gründüngung auf den Äckern ist in sich zusammengesackt, Väterchen Frost war schon da. Das Kürbisfeld an der Autobahn ist in fauliger Auflösung begriffen, wie schön war es hier noch vor wenigen Wochen.
  Die sich drehenden Reifen verursachen ein fast schon klebrig anmutendes Geräusch, kleine und große Pfützen wollen durch- oder umfahren werden. Die Pferde auf den Koppeln um Kervenheim tragen ein Wärme spendendes Kleid, die Kondensfahnen aus ihren Nüstern eine Spur intensiver als das Grau über den Wiesen.
  Kein Insekt trifft mein Gesicht, die Luft wirkt frischer und klinischer als im August.
  Das verfallene Heiligenhäuschen mitten auf dem Acker in Uedemerbruch sieht noch erbarmungswürdiger aus als im Sommer, dann ährenumtost. Die mit Wasser vollgesogenen halb verrotteten Holzteile der zerbröselnden Dachkonstruktion haben wegen der Feuchtigkeit eine noch dunklere Schattierung angenommen, der Platz für die obligatorische Heiligenfigur ist leer, ausgeräumt wie Teile des Nebelraums. Das Inventar der Natur, teilweise eingemottet. Pause.
Und es funktioniert trotzdem:
  die Sinne schärfen sich mit einem Mal wie ferngesteuert, zahllose Sensoren, ebenso auf Pause eingestellt, springen an, das bleierne Grau des Winterschlafes durchdringend, plötzlich silbrig glitzernd, das Empfinden kitzelnd. Eine wohlige Dopamin-Attacke, das beinahe euphorische Verschmelzen mit der Natur, entspannend, warm in der Kälte. Stille Freude in stummer Landschaft. Nein, jetzt keine Gedanken, später ja, Ruhe in der Bewegung, mehr Energie als zu Beginn, Klarheit im Dunst, Verbundenheit... Es kommt wieder.


Was das "Bungee-Jumping" mit dem Niederrhein zu tun hat, das erfahren Sie hier !