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Teil I vom 30.12.2002
Warum?
Ja, eine gute Zeit, ein Fazit zu ziehen. Da
setze ich mich vor einigen Tagen hin und versuche zum Ausdruck zu bringen –
auch mir selbst gegenüber – was mir die Niederrhein-Touren bedeuten. Aber: es geht nicht, es
kommt nichts Verwertbares.
Der wirklich innige Kontakt mit meinem Heimatraum ist dahin. Haben Sie denn wochenlang im Haus
gesessen? Das könnten Sie sicherlich
einwenden. Natürlich
nicht. Daran erkennt man den Perspektivwechsel, den das Radfahren mit sich
bringt. Also, es gibt nur eine Lösung: Jacke anziehen, Mütze auf, Fahrrad flott
machen und ab in die momentan eher feucht-kalte Natur, ganz ohne Handschuhe.
Die Kondition ist trotz Winterspeck und Weihnachtsessen noch nicht ganz perdu,
das merkt man schnell...
Die braunen Blätter der Bäume kleben feucht auf den Wegen, das
starre Astwerk der Sträucher und Bäume reckt sich in die trübe
Niederrheinlandschaft. Zwei Fischreiher stehen einsam auf der immer noch grünen
Wiese. Ein paar verlorene Hagebutten hängen traurig im Geäst, die Gründüngung
auf den Äckern ist in sich zusammengesackt, Väterchen Frost war schon da. Das
Kürbisfeld an der Autobahn ist in fauliger Auflösung begriffen, wie schön war
es hier noch vor wenigen Wochen. Die sich drehenden Reifen verursachen ein fast
schon klebrig anmutendes Geräusch, kleine und große Pfützen wollen durch- oder umfahren
werden. Die Pferde auf den Koppeln um Kervenheim tragen ein Wärme spendendes
Kleid, die Kondensfahnen aus ihren Nüstern eine Spur intensiver als das Grau
über den Wiesen. Kein Insekt trifft mein Gesicht, die Luft wirkt frischer und
klinischer als im August. Das verfallene Heiligenhäuschen mitten auf dem Acker
in Uedemerbruch sieht noch erbarmungswürdiger aus als im Sommer, dann
ährenumtost. Die mit Wasser vollgesogenen halb verrotteten Holzteile der
zerbröselnden Dachkonstruktion haben wegen der Feuchtigkeit eine noch dunklere
Schattierung angenommen, der Platz für die obligatorische Heiligenfigur ist
leer, ausgeräumt wie Teile des Nebelraums. Das Inventar der Natur, teilweise
eingemottet. Pause.
Und es funktioniert trotzdem: die Sinne
schärfen sich mit einem Mal wie ferngesteuert, zahllose Sensoren, ebenso auf
Pause eingestellt, springen an, das bleierne Grau des Winterschlafes
durchdringend, plötzlich silbrig glitzernd, das Empfinden kitzelnd. Eine
wohlige Dopamin-Attacke, das beinahe euphorische Verschmelzen mit der Natur,
entspannend, warm in der Kälte. Stille Freude in stummer Landschaft. Nein,
jetzt keine Gedanken, später ja, Ruhe in der Bewegung, mehr Energie als zu Beginn,
Klarheit im Dunst, Verbundenheit... Es kommt wieder.
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