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Bei
17 Grad Celsius und herrlichem
Sonnenschein breche ich
an diesem Sonntag auf, um
nach 40 Minuten Laarbruch
zu erreichen. Diese Idee
hat, wie ich schnell bemerke,
offenbar keinen Anspruch
darauf, besonders originell
zu sein. Hordenweise fallen
PKWs, Motorradfahrer und
Radfahrer, getrieben von
ihrer Neugier und dem schönen
Wetter, über das Flughafengelände
her. - Nicht zum ersten
Mal beschäftige ich mich
"als Betroffener"
mit dem Kuckucksei Airport,
hinein gesetzt in unsere
Niederrhein-Landschaft,
wobei noch unklar ist, ob
das geschlüpfte Küken flugfähig
ist. Die Fotos vom fast
fertigen neuen Terminal
oben habe ich bewusst an
den Anfang gesetzt, obwohl
sie die chronologische Abfolge
nicht widerspiegeln. - Warum?
Mit ihnen kann man so
schön Meinung machen.
Das obere Foto zeigt
ein schickes, modernes Gebäude,
das untere betont den Baustellencharakter.
So schön schwarz-weiß. Als
ich später das Gelände verlasse,
habe ich mir - beseelt durch
die Atmosphäre des Ortes
- reichlich Gedanken gemacht
und bin endlich zu einer
eigenen Meinung gelangt.
Auch weiß ich jetzt, warum
ich dem Stopp-Laarbruch-Verein
nicht beigetreten bin (das
Flugblatt mit der "Todesanzeige"
hat mir endgültig die Augen
geöffnet). Also: Verstärkt
durch die Presse vernehmen
wir das, was Interessenvertreter
verlautbaren. Um sich Gehör
zu verschaffen, beziehen
sie gerne extreme Positionen
oder stellen Positionen
oder Sachverhalte extrem
dar, d.h. extrem positiv
("rosarote Brille")
oder extrem negativ ("der
Niederrhein ist verstorben").
So schön schwarz-weiß eben.
Eine eigene ruhige Inspektionstour
per Rad im frischen
Wind - die Fotos mögen es
belegen - führt zur
einzig sinnvollen Schlussfolgerung:
NIX GLAUBEN, SELBER SCHAUEN
und URTEILEN. Sämtliche
vorgedachten Szenarien sind
Wechsel auf die Zukunft
und daher nicht verifizierbar.
Nur die Fakten helfen weiter: -
EINE Fluglinie, Marktführer
durch aggressives Marketing
und Übernahmen, bedient
EIN Ziel. Die
Flüge nach Stansted und
zurück sind Realität. Auch
gilt: wer hoch fliegt, stürzt
oft besonders tief. -
Ein (siehe Fotos) brandneues
Terminal, mit Millionenaufwand
errichtet, steht kurz vor
der Vollendung. Die
weitere Infrastruktur ist
im wesentlichen gegeben.
Hier können erklecklich
Viele ihr Gesicht verlieren. -
"Die Deutschen"
sind - trotz Wirtschaftsflaute
- bekannt als besonders
reiselustig. - Laarbruch
steht in Konkurrenz zu anderen
Regional-Flughäfen. -
Flugzeuge - auch die modernen
- sind laut. Wem sie zu
nahe kommen, ist ihrem Lärm
ausgesetzt. Lärm
kann krank machen, wenn
er unerwünscht ist. -
Je mehr Flugzeuge, desto
mehr Lärm. - Je mehr Flugzeuge,
desto mehr Passagiere.
Je mehr Flugzeuge,
desto mehr Arbeit. Je mehr
Flugzeuge, desto mehr Verkehr
im Umfeld. - Der Niederrhein
ist strukturschwach. Als
ich einen Schluck aus der
Mineralwasserflasche mache,
wird´s mir klar: die DOSIS
macht es. Darin liegt das
Geheimnis. Die paar Starts
und Landungen, die momentan
zu verzeichnen sind, machen
den Niederrhein garantiert
nicht kaputt. Selbst wer
unmittelbar in den Einflugschneisen
liegt, kann damit fertig
werden. Die Kunst ist wohl,
den Punkt zu finden, wo
die tätsächliche Belastungsgrenze
eines Großteils der Menschen
in der Umgebung des Flughafens
erreicht ist, immer vorausgesetzt,
dass der Flughafen sich
zum Erfolgsmodell mausert.
Dieses "Feintuning"
entzieht sich jedoch der
theoretischen Erörterung
weitgehend, da hellseherische
Fähigkeiten auch bei Politikern
relativ selten vorkommen.
Das geht nur empirisch,
braucht also Zeit. Diese
sollten wir uns ganz gelassen
nehmen. - Für den Fall des
Falles hätte ich eine Idee:
Das neue Terminal könnte
Außenstelle von Schloss
Moyland werden, frei nach
dem Motto: Noch´n Museum! Eine
Abteilung könnte den siegreichen
Flughafengegnern gewidmet
sein, mit geschmackvoller
Darstellung der wohlsituierten
Damen und Herren im Bild,
vorzugsweise auf der Terrasse
ihres Eigenheimes sitzend,
bei Kaffee und Kuchen, aufmerksam
dem Zwitschern der Vogelschar
im eigenen Gehölz lauschend,
auf dem Tisch eine Ausgabe
der Niederrhein-Nachrichten.
Überschrift: Selbstloser
Einsatz für den Niederrhein.
Zwischendurch
habe ich jede Menge Fotos
gemacht. Die Hinterlassenschaften
der Briten haben mich dabei
fast noch mehr interessiert
als der Airport. Das war
richtig interessant. Also:
Wiederkommen!
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